Heincke-Expedition Nordsee 2026

20. Mai 2026

Einführung

Wie leben und forschen Ozeanograph:innen auf einem Forschungsschiff? Vierzehn Studierende der LMU brachen im April 2026 Richtung Nordsee auf, um genau dies für fünf Tage im Rahmen einer kleinen Exkursion zu erleben. Zusammen mit Studierenden der Hochschule Bremerhaven gingen sie unter Leitung von Fahrtleiter Dr. Wilken-Jon von Appen und Prof. Dr. Alexander Haumann an Bord des Forschungsschiffs Heincke, wo sie im Laufe der Exkursion zahlreiche Messtechniken kennenlernten. Nachfolgend geben die Studierenden Einblicke in ihre Erlebnisse.

In dem folgenden Blog-Eintrag erzählen Studierende aus dem Alltag an Board der FS Heincke.

Mittwoch, 29.04.2026

Vorbereiten der CTD-Rosette

Bild: Lotte Wolf

Von Elias Thoma, Greta Drabe

Mittwoch in der Früh ging es vom AWI-Gästehaus in Bremerhaven mit der Bahn nach Cuxhaven. Von dort fuhren wir mit der Fähre nach Helgoland, wo uns im Hafen schon das Forschungsschiff Heincke erwartete.

Nach einem Rundgang mit Informationen über den Aufbau des Schiffes und einer Sicherheitseinweisung des Zweiten Offiziers, startete das eigentliche Programm des restlichen Nachmittags. Uns wurde die Arbeit mit einer CTD-Rosette (Conductivity, Temperature, Depth) erklärt und demonstriert. Mit deren Hilfe kann man die Salinität, die Temperatur, die Dichte, den Chlorophyllgehalt des Wassers sowie weitere Parameter bestimmen bzw. berechnen.

Am Abend bereiteten wir die Verankerung – ebenfalls mit Messgeräten für die Bestimmung von Temperatur, Leitfähigkeit und Druck – für den nächsten Tag vor. Im Anschluss verließ die Gruppe das Schiff für die Nacht an Land in die Jugendherberge und ins AWI-Gästehaus auf Helgoland, gespannt auf die kommenden Tage.

Donnerstag, 30.04.2026

Bestimmung einer Seemaus aus einer der Sedimentproben

Bild: Lotte Wolf

Von Veronika Gröschl, Diotima Knote, Lotte Wolf

Unser erster voller Arbeitstag auf der Heincke startete früh, aber mit perfekten Bedingungen und guter Laune. Nach dem Frühstück brachten wir eine Verankerung für eine Langzeitmessung über 48 Stunden aus. Im Lauf des Tages durften wir zum ersten Mal die verschiedenen Messgräte, wie zum Beispiel die CTD-Rosette selbst bedienen und Versuche durchführen. Wir konnten damit unter anderem Temperatur- und Salzgehaltdaten unterschiedlicher Wassertiefen eigenständig erheben. Eines der Highlights war der Van Veen Greifer, mit dem wir eine Sedimentprobe vom Meeresboden anschauten. Dabei machten wir eine interessante Entdeckung: eine Seemaus! Nach dem Wiederanlegen im Hafen, weiteren Besprechungen und einem leckeren Abendessen, ging es noch auf Erkundungstour von Helgoland. Unser Fahrtleiter informierte uns an verschiedenen Stopps über die Geschichte, Geologie, Tiere und weitere Besonderheiten der Insel. Zu sehen gab es Kegelrobben, Basstölpel und Trottellummen an der spektakulären Steilküste. Am Nordende von Helgoland beendeten wir den Tag im Sonnenuntergang zusammen mit den 42 Schafen der Insel und ihrer Besitzerin.

Freitag, 01.05.26

Mutlinetz an Deck vor dem Beproben

Bild: Marlene Schramm

Von Nassjenka Teebken, Charlotte Reimers, Emily Kober

Der 1. Mai startet mit einem schönen goldenen Sonnenaufgang. Auch die Besatzung schien am Tag der Arbeit bestens gelaunt zu sein und wir stachen pünktlich um 7 Uhr in See. Wir fuhren dieselbe Route wie am Vortag ab und erweiterten sie zusätzlich mit einem Transekt Richtung Südwesten um Messungen an sieben weiteren Positionen (sog. Stationen).

Bei der ersten Station im Nordwesten haben wir mit dem Greifer eine neue Meeresbodenprobe genommen und sie mit der vom Vortag verglichen. Dabei stellten wir fest, dass der Meeresboden grobkörniger und sauerstoffreicher im Vergleich zur Probe am Vortag war.

Die CTD- und Handnetzprobe sowie die Laboranalysen liefen reibungslos ab, dadurch, dass wir den Stationsverlauf schon vom Vortag verinnerlicht hatten. Neu am Freitag war das Multinetz, was es uns ermöglichte, ein vertikales Profil des vorhandenen Zooplanktons an einer Station zu erhalten.

Am Nachmittag lernten wir viel außerhalb unseres Schwerpunktes der Ozeanographie. Bei einer geführten Tour durch die Brücke erklärte uns der Nautiker zum Beispiel Radare und die Fahrweise des Schiffes. Passend dazu schauten wir uns das Deck und den Maschinenraum an.

Nach zwei Tagen, an denen wir viele Einblicke gewinnen konnten, wie der Alltag und die Arbeit auf einem Forschungsschiff funktioniert, durften wir den dritten Tag nun selbst in die Hand nehmen. Wir sollten, wie auf großen Forschungsschiffen, eine/n Fahrtleiter:in wählen. Die Fahrtleiterin erstellte zusammen mit uns die neue Route für den nächsten Tag und die dazu abgestimmten wissenschaftlichen Stationen. Da alle unterschiedliche Interessen und Schwerpunkte bei ihren Messungen hatten, entwickelten sich angeregte Diskussionen, die sich bis in den späten Abend zogen. Auf dem Heimweg konnten wir schließlich den Vollmond aufgehen sehen, der den gelungenen Tag stimmungsvoll abrundete.

Samstag, 02.05.26

Das Eisenbahnrad, das als Anker für die Messinstrumente an der Verankerung diente

Bild: Johhannes Lutz

Von Antonia Paus, Julian Pfender

Ein neuer Tag begann, die Sonne lachte uns ins Gesicht, als wir Punkt 07:00 Uhr vollzählig antraten, bewaffnet mit nichts außer herausragender Laune (kaffeebedingt) und geschützt mit der maximal menschenmöglichen Menge an Sonnencreme.

Eine eigens eingesetzte studentische Fahrtleitung setzte den nach den Interessen der Studierenden gesetzten Zeitplan um. Erste Erfolge zeigten sich sofort: Bei der Bergung der Verankerung mittels ein wenig Rock ’n’ Roll (akustisches Auslösesignal) unter Wasser, konnten wir die Verankerung lösen und die orangenen Auftriebselemente (s. Bild) erblickten nach 2 Tagen unter Wasser das Sonnenlicht! Mit Haken und vereinten Kräften konnte die Verankerung so samt Messinstrumenten zurück an Bord geholt werden.

Schon die erste Meeresbodenprobe des Tages mit dem Greifer versetzte die Studierenden in ein euphorisches Wühlen durch die lehmige Masse vom Meeresgrund: Gefunden wurden Seeigel und Würmer.
Der Abend war geprägt von der Analyse. Die Teams arbeiteten zielstrebig an der Auswertung der gewonnenen Daten - um den letzten Abend noch gebührend ausklingen lassen zu können.

Sonntag, 03.05.26

Diskussion der Messergebnisse auf der Rückfahrt nach Bremerhaven

Bild: Alina Boehm

Von Alina Boehm, Anja Arnold, Maria Pert

Zum Abschluss der Expedition präsentierten wir Studierende die Auswertung und Interpretation der erhobenen Datensätze der letzten Tage. Dafür hatten wir zuvor in Zweiergruppen vertieft die Messwerte eines Geräts untersucht und analysiert. Die Themen reichten von der Auswertung von CTD-Messreihen über Messungen der Fließgeschwindigkeit bis hin zur Untersuchung der Phytoplanktonverteilung in der Nordsee. Dadurch konnten wir unser Verständnis für die Prozesse rund um Helgoland weiter vertiefen und im Austausch miteinander neue Erkenntnisse gewinnen. So wurde beispielsweise deutlich, welchen erheblichen Einfluss die Gezeiten auf verschiedene Parameter haben. Währenddessen waren wir mit der Heincke schon auf dem Weg Richtung Bremerhaven, wo wir am frühen Nachmittag anlegten und das Schiff auf Vordermann brachten.

Dort verabschiedeten wir uns von der Crew und besichtigten das AWI-Hauptgebäude und den Campus, bevor es Richtung Bahnhof ging. Über Hannover kamen wir schließlich spätabends in München an.

Wir sind dem AWI, den Betreuern und der Crew sehr dankbar für diese einzigartige Erfahrung, einen so umfassenden Einblick in die Arbeit auf einem Forschungsschiff bekommen zu haben